Aus aktuellem Anlass haben wir unseren Artikel zum Thema digitale Langzeitarchivierung nochmals auf die Frontseite gestellt.
Ob es die schleichende Zersetzung wertvoller Negative auf Nitrozellulose (siehe Bild 2) oder der Brandschaden in der Anna Amalia Bibliothek oder in der Gallery of Modern Art in Ulan Bator (siehe Bild 3) ist oder die Zerstörung des Stadtarchives in Köln - eine digitale Archivierung ersetzt zwar nicht das Original, es erhält uns aber alle relevanten Informationen und ein realistisches Abbild der Objekte unseres kulturellen Erbes.
Archive aller Art
enthalten analoge Bestände von unersetzlichem Wert, die dem schleichenden
Verfall preisgegeben sind oder sogar im schlimmsten Fall durch plötzliche
Ereignisse zerstört werden können. Ein Großteil der Schätze wird so sicher wie
möglich aufbewahrt und ist kaum zugänglich.
Durch
Digitalisierung können diese Bestände dem gewünschten Nutzerkreis
für die meisten Bedarfsfälle ohne Risiken für das Original erschlossen werden.
Gleichzeitig werden zwei Sicherungsaspekte bedient. Einerseits
kann durch die Arbeit mit der digitalen Kopie die Anzahl der Zugriffe auf das
Original mit ihrem Beschädigungsrisiko wesentlich verringert werden.
Andererseits ist die digitale Kopie ein Zustandsdokument des Originales zum
Zeitpunkt der Digitalisierung, welches später zur Beurteilung weiterer
Verfallserscheinungen und im Extremfall (z.B. Zerstörung des Originals) sogar
zur Herstellung einer Reproduktion genutzt werden kann.
Sowohl der
Erschließungs- als auch der Sicherungsaspekt sind Grund genug, sich mit der
Digitalisierung der Bestände auseinanderzusetzen. In diesem Zusammenhang stellt
sich die entscheidende Frage der Archivierung
der Daten auf lange Zeit.
Im Gegensatz zur
analogen Archivierung müssen digitale Daten losgelöst von einem Speichermedium betrachtet werden. Das Geheimnis
der dauerhaften Sicherung liegt in der verlustfreien
Kopierbarkeit.
In modernen RAID- oder SAN-Systemen werden die Daten permanent
gespiegelt und „umgewälzt" und können nicht mehr einem spezifischen
Speicherort zugeordnet werden. Teile des Speichermediums können bei Ausfall
oder technischen Neuerungen ausgetauscht werden, ohne dass die Datenvorhaltung unterbrochen
wird. Durch Vorhaltung in
mehreren Systemen an verschiedenen Orten wird dafür gesorgt, dass auch nach
extremen Ereignissen stets ein digitales Original verfügbar ist.
Die Haltbarkeit eines individuellen
Speichermediums spielt daher nur noch eine Rolle, wenn Daten für längere Zeit auf
statischen Speichermedien vorgehalten werden sollen, wie das z.B. bei Archivierung auf CDs oder DVDs der Fall
ist. Da Markenhersteller heute für hochwertige beschreibbare CDs eine
Haltbarkeit von 100 Jahren und für
DVDs von 20 Jahren angeben, wird der
moralische Verfall dem physischen Verfall zuvorkommen. Es ist also notwendig,
mit der Entwicklung neuer Speichermedien rechtzeitig
umzukopieren, ehe kein Gerät zum Lesen der alten Medien, z.B. CDs und DVDs
mehr verfügbar ist. In Anbetracht der stürmischen Entwicklung auf dem Gebiet
der Speichermedien wird dieser Prozess mit immer geringerem Aufwand möglich. Im
Gegensatz zur analogen Speicherung erfolgt er völlig verlustfrei. Aus
Sicherheitsgründen sollten jeweils identische Kopien an mindestens zwei
Lagerorten aufbewahrt werden.
Ebenso wichtig, wie
die richtige Archivierung der Daten, ist es, das Objekt verlustfrei als digitales
Original zu erfassen und mit Zusatzinformationen (Metadaten) zu versehen.
Dabei ist besonders zu achten auf
- Bilddatenformat

- Scannauflösung
- Colormanagement
- Metadaten
- Indexierung
- Datenträger
Bei konsequenter
Anwendung der Philosophie zur langfristigen Datenhaltung und der fachgerechten
Erzeugung digitaler Originale können Bestände wirklich dauerhaft digital gesichert
werden. Natürlich wird das digitale Original nie das physische Original
ersetzen können. Es wird immer nur ein Abbild dessen sein.
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